Wer sind Wir

Die Entstehung der Initiative „Luchs NRW“ im Jahr 2023 ist das Resultat langjähriger Entwicklungen, die im Folgenden kurz skizziert werden sollen. Zum GründerInnen-Team gehören Jörn Ziegler, Dr. Christine Thiel-Bender, Dr. Alexander Sliwa, Dr. Ingrid Hucht-Ciorga und Christoph Heider. Ziel der Initiative ist es, die Chancen für eine konfliktfreie Rückkehr des Luchses nach NRW konkret zu prüfen und praktisch vorzubereiten.

Im Jahr 1999 wurde im Arnsberger Wald erstmals wieder in NRW ein freilebender Luchs nachgewiesen. Seit den 1980er Jahren gab es immer wieder Luchsmeldungen in der Eifel – zunächst in Rheinland-Pfalz – 2006 auch auf nordrhein-westfälischer Seite. Auch in anderen Regionen NRWs werden seitdem vereinzelt Luchse gemeldet – im Sauerland, Teutoburger Wald und Rothaargebirge. Da die Tiere jedoch sehr selten sind, blieb lange unklar, ob es sich um einzelne Wanderer oder um eine beginnende Rückkehr der Art handelt. Eine Luchstagung im Arnsberger Wald führte 2002 zum Einsetzen einer Arbeitsgruppe Luchs durch das Umweltministerium.

Auf Empfehlung dieser AG Luchs entschied das Umweltministerium im Jahr 2004 zunächst keine Luchse wiederanzusiedeln, sondern die Situation weiter zu beobachten. 2005 wurden dazu geschulte Luchsberater eingesetzt – darunter auch Dr. Christine Thiel-Bender und Jörn Ziegler –, die in einem landesweiten Netzwerk Hinweise auf freilebende Luchse dokumentieren und an das Landesamt für Umwelt, Natur und Klimaschutz NRW weiterleiten. Hier werden die Beobachtungen gesammelt und nach bundesweit einheitlichen Kriterien bewertet. Einmal jährlich werden die Luchsnachweise und bestätigten Hinweise an das Bundesamt für Naturschutz übermittelt und mit den Daten aus den anderen Bundesländern zusammengeführt.

Neue Dynamik entstand ab 2010 durch die alosa Stiftung. Gemeinsam mit Dr. Ingrid Hucht-Ciorga – damals in der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung im Landesbetrieb Wald und Holz NRW und später im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW für das Luchsmonitoring zuständig – wurde die Frage einer Wiederansiedlung erneut diskutiert. Eine Machbarkeitsstudie zur Nordeifel (Trinzen 2011) sowie Tagungen in Nideggen (2012) und Bonn (2018) brachten das Thema zurück in die Fachwelt. Wichtige Impulse kamen dabei durch Dr. Christine Thiel-Bender (Natur- & Artenschutzmanagement), die ganz NRW als möglichen Lebensraum für den Luchs wissenschaftlich untersuchte („Luchse in NRW – regionale Perspektiven/ europäische Verantwortung“; Thiel-Bender & Heider 2017).

Zusätzlich gewann das Thema sogar an internationaler Bedeutung. Luchsexperten der IUCN SSC Cat Specialist Group und Stiftung KORA erkannten großes Potenzial in den deutschen Mittelgebirgen. Gemeinsam mit der alosa Stiftung sowie der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und weiteren Partnern wurde auf einer ersten praxisorientierten internationalen Expertenkonferenz in Bonn im Jahr 2019 der Grundstein für das europaweite Netzwerk „Linking Lynx“ zum Schutz und zur Wiederansiedlung des Eurasischen Luchses gelegt. Dr. Alexander Sliwa, Kurator des Kölner Zoos und international anerkannter Katzenexperte, war und ist für die Neuausrichtung des Zuchtprogramms für Karpatenluchse in den Mitgliedzoos der Europäischen Assoziation für Zoos und Aquarien (EAZA) verantwortlich und erarbeitete die gemeinsamen Standards für den Einsatz von geeigneten Nachzuchten aus Gehegen für Wiederansiedlungsprojekte.

Es folgten Wiederansiedlungsprojekte in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Das Gründerteam erkannte, dass nun auch Nordrhein-Westfalen einen wesentlichen Beitrag zur Vernetzung der Luchsvorkommen leisten könnte und begann nach der großen Luchs-Konferenz im Harz mit der Gründung von Linking Lynx im Jahr 2023 sich regelmäßig über die wissenschaftliche Grundlage auszutauschen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Natur in NRW“ unter dem Titel „Eine Zukunft für Luchse in Nordrhein-Westfalen“ veröffentlicht.

In der Folge organisierte die Initiative Luchs NRW eine weitere Fachtagung im Mai 2025 – diesmal unter der Schirmherrschaft von Umweltminister Oliver Krischer. In Vorträgen und Workshops diskutierten Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz, Jagd und Weidetierhaltung unter dem Titel „Eine Zukunft für Luchse in Nordrhein-Westfalen – von der Idee zur Umsetzung“ über Möglichkeiten des aktiven Aufbaus einer Luchspopulation in NRW. Erste Zielsetzungen und Prinzipien der Zusammenarbeit wurden erarbeitet. Aus den darauf folgenden Fachgesprächen wurde eine erste Projektstruktur mit dem BUND NRW als Projektträger entwickelt.

So unterstützen seit Frühjahr 2026 außerdem Matthias Goerres und Kaja Heising vom BUND NRW die Initiative „Luchs NRW“ bei Organisation, Kommunikation und Entwicklung eines tragfähigen Konzepts für die Wiederansiedlung des Luchses in Nordrhein-Westfalen.